Bielefeld den 22.5.2015

Der Umstieg von APS-C (Canon 7D)auf KB (Canon 5D3) ergab einen Nachteil was meine Objektivzusammenstellung betrifft. Zum einen war bisher mein 24-105 4L IS das Immerdrauf-Objektiv an der 7D. Oft genug bin ich nur mit der Kamera und diesem Objektiv auf Tour gewesen, vor allem Street. Mehr brauchte ich nicht da ja der Cropfaktor von 1.6 die Brennweite bzw. Ausschnitt 38-168 ergab. Die Zeiten sind vorbei und gerade am oberen Ende fehlt mir etwas. Noch ausgeprägter ist das dann bei meinen Tele dem 70-200 4L ohne IS! Was bisher 320 mm entsprach sind nur noch 200mm. Das Problem dabei das ich dieses Tele eher wenig nutze und ein L-Neukauf entsprechend kostet. Gelegentlich brauchte ich das Tele für Architektur (Ausschnitte) oder wenn ich mit meiner Freundin im Zoo unterwegs bin, ihr Lieblingsrevier zum Fotgrafieren. Und da muss ich gestehen das der Nutzen-Kosten-Faktor echt bescheiden wird.

Nach etwas längeren stöbern im Netz rückte dann das Tamron SP 70-300 DI VC USD in mein Blickfeld. Kann das denn sein? Knapp 300 Euro und nach den vielen Beispielbildern in Foren mit wirklich guter Bildqualität. Ich muss gestehen das ich nicht wirklich dran glauben wollte und konnte. Aber gerade beim Vollformat hat man kaum schlechte Bilder zu Gesicht bekommen. Sicherlich ist die Lichtstärke von 4.0 bis 5.6 nicht gerade der Brüller aber bei der 5D3 soll das ja nun nicht wirklich eine Hemmschwelle sein. Nach vielen Tagen Grübeln und Überlegen habe ich es dann riskiert und bei Saturn in Bielefeld ein Tamron mitgenommen. Aber nur unter dem Vorbehalt das wenn es ganz übel werden sollte ich das Objektiv wieder zurückbringen kann.





Vom Handling her gibt es nichts dran zu meckern. Liegt aber wohl auch daran das ich früher lange ein 24-74 von Tamron hatte. Unterschied ist das der Zoomring jetzt vorne liegt und der Fokusring auf der Kameraseite und die Größenunterschiede sind auch nicht wirklich gravierend. Das der Zoomring vorne liegt finde ich auch nicht schlecht da mann so die Kamera bzw. das Objektiv auch vorne mit der Hand abstützt. Macht also Sinn. Der Zoomring an meinem Canon geht allerdings etwas leichter, würde das jetzt beim Tamron aber nicht als ein Minuspunkt betrachten. Und das Kunststoff heutzutage kein Nachteil mehr sein muss ist jawohl bekannt.

Und dann ist da die Sache mit dem VC beim Tamron (Bildstabilisator). Habe viel von gelesen und war doch erstaunt beim Antesten wie gut der funktioniert. Da kann ich nur die Sprüche aus dem Netz wiederholen ..... das Bild wird förmlich festgenagelt! Musste ich beim Canon immer drauf achten das die Zeiten nicht zu lang werden ist das jetzt selbst bei 300mm um Welten besser geworden. Und da möchte ich noch einmal den Preis erwähnen, wirklich Leistungsstark der VC bei 289 Euro!

Bei der AF-Geschwindigkeit ist das Canon gefühlt schneller. Aber im Gegensatz zu früher bei Fremdherstellern hat sich da echt viel getan und der Vorsprung ist wirklich knapp geworden. Da ich aber eher weniger irgend welchen Vögeln hinterher hechel ist mir dieser Punkt nicht so wichtig. Zügig ist der AF vom Tamron trotzdem, kein Vergleich zu den Kreissägen und Nachzüglern von früher.

Was die Treffsicherheit betrifft kann ich mich nach gut einer Woche auch nicht beschweren. Grobe Patzer habe ich bisher nicht erlebt und zielloses Pumpem vor dem Zielpunkt ist auch noch nicht aufgetreten. Bin aber auch noch nicht mit der Kamera im Keller gewesen so wie es einige Technikfreaks wohl machen würden ;-) Testen bis der Arzt kommt passiert hier eh nicht. Einfach Fotos machen schauen was passiert reicht mir, werde das dann schon Zuhause am Monitor sehen ob Murks dabei raus kommt oder nicht. Ein Durchgang vom Balkon reicht völlig aus für eine Bewertung.

Zum Schluss wäre da noch die Garantie von auffälligen 5 Jahren zu erwähnen! Da ist sich Tamron seiner Sache aber ziemlich sicher. Einfach bei Tamron mit Seriennummer und Anschrift Registrieren und schon hat man 5 Jahre Ruhe. Bei dem Preis sieht eine Fotoversicherun blass aus und das Tamron mutiert zu einem Preis-Leistungswunder das man zumindest probieren sollte bevor viel Geld das Konto wechselt. Hierbei handelt es sich immerhin um den 4fachen Betrag für ein L. Das sollte man je nach Nutzung in seine Rechnung einbeziehen.






 
Ich will hier jetzt niemanden mit langweiligen Testbildern foltern.  Das könnt ihr besser auf anderen Seiten wie Photozone oder the-digital-picture selbst sehen. Dort gibt es alles zu Auflösungen und was man sonst noch so mathematisch in eine Tabelle packen kann. Ich selbst habe einfach ein paar praktische Vergleiche mit meinem alten 70-200 L und dem neuen Tamron gemacht und für meine Bedürfnisse die Ergebnisse bewertet. Das L liegt einen Hauch vor dem Tamron. Die Betonung liegt dabei aber wirklich auf einem "Hauch", denn so riesig wie der Preisunterschied sind Unterschiede der Bilder nicht. Ohne sich die Pixel im Detail anzuschauen ist es nicht einfach klar zu sagen welches Bild von welchem Objektiv stammt. Gefühlt sehe diesen minimalen Vorsprung. Kann aber auch daran liegen das ich genau weiss welches Bild vom Canon ist und welches nicht.

Hier links seht Ihr einen Vergleich (Bildausschnitte) mit beiden Objektiven bei 200mm Brennweite. Bei jedem Objektiv um eine Blende abgeblendet und natürlich bearbeitet. Die unsinnige Frage wie es roh ausschaut passt nicht mehr in die Zeit von Photoshop & Co. Bei keinem Bild habe ich aufwendig geschraubt sondern nur pauschal angepasst, ganz ohne Tools oder Hochpass-Filter. Dieser Aufwand kommt erst wenn ich richtige Fotos habe und ich bin mir sicher das der Unterschied dann noch weiter schrumpft.

Also .... ein Bild ist nun mit dem L-Objektiv gemacht und eins mit dem Tamron für 289 Euro. Hihi .... und ich werde das Rätsel nicht auflösen. Auf jeden Fall dürfte hier sichtbar werden wie nah sich die Bildqualität angenähert hat.










 
Beim Thema Abblenden bzw. Offenblende hatte mein Canon die Nase vorne. Allerdings reichen beim Tamron bereits 2/3 Drittel Blende schließen um wirklich scharfe Bilder zu bekommen. In diesem Beispiel ist jede Aufnahme bei 70/135/200/300mm um jeweils 2/3 Drittel Blende weiter geschlossen. Und das ohne weiter in die Trickkiste zu greifen. Hochpassschärfen usw. steht also noch zusätzlich zur Verfügung. Und genau das seht ihr auf dem Bild unten. Aufnahme bei 300mm mit Offenblende 5.6. Normal in ARC entwickelt und per Hochpassfilter in CC nachgeschärft. Der Bildausschnitt ist etwas 75% Ansicht.








Und dann gibt es da noch das Thema Konverter, oben der Bildausschnitt dazu. Angeblich soll das Tamron nicht damit funktionieren und der AF seinen Dienst verweigern. Da ich hier aber eh noch einen Kenko 1.4 liegen habe wurde das natürlich ausprobiert. In der Tat rührte sich erst einmal nichts. Per Zufall habe ich dann einmal am Zoomring gedreht und dann ging es plötzlich ohne Probleme. Auch der VC hat das was er machen soll perfekt hinbekommen. Das passiert aber nicht immer. Werde den Kenko also behalten und wenn es sein muss nutzen, sind dann immerhin 420mm. Und selbst in Ecken ist das Bild dann gut zu gebrauchen.

Jetzt folgen noch 4 Beispielbilder aus einem Tierpark. Bekanntlich zeigt sich gerade bei Fell oder Gefieder was ein Objektiv zu leisten vermag.
 





Ungefähr ein 50% Ausschnitt. ISO 1600 , 300mm , Blende 7.1 , 1/400.
 






ISO 400 , 300mm , Blende 6.3 , 1/500.
 






Durch eine dreckige Kunstoffscheibe fotografiert. ISO 800 , 168mm , Blende 6.3 , 1/500. Man achte auf die vielen Beine, da verstecken sich noch welche.
 






Ca. ein 50% Ausschnitt. ISO 400 , 300mm , Blende 6.3 , 1/160.
 




Nachtrag: Das Thema Flugshow ist zwar nicht meine Welt aber wenn man schon einmal in der Nähe ist. Habe beim Objektiv also mal den AF bei Servo und Serienaufnahmen angetestet. Brauche ich wenn überhaupt mal bei Störchen oder so etwas. Ging ganz gut!

Bei normalen Flugzeugen kam folgendes heraus: 37 Aufnahmen und 2 unscharf, 35 Aufnahmen und 3 unscharf. Ist in meinen Augen brauchbar und man sollte bedenken das ich so etwas extrem selten gemacht habe. Da dürften die diversen Einstellung noch einmal eine Schüppe drauflegen. Bei Modelflugzeugen (normale) ging es auch gut, 11 Bilder und 1 unscharf. Wesentlich mehr Ausschuss kam dann ... Modelflieger mit Düsenantrieb *grins*! Ok, bei dem Affentempo hat es mich überhaupt gewundert das einige Bilder gelungen sind.


 




Tja ... inzwischen habe ich mein 10 Jahre altes Canon 70-200 4L verkauft und dadurch mein neues Tamron mit VC und 5 Jahre Garantie finanziert. Díe optischen Qualitäten würde ich zwischen gut und sehrgut bewerten. Das gleiche gilt für den AF der übrigens kaum hörbar ist. Wenn überhaupt spürt man ab und zu das der der VC anspringt, stört aber nicht wirklich. Der VC ist spitzenklasse und für meine Art der Fotografie Gold wert.

Wer also mit einer Vollformat unterwegs ist und wie ich nicht der Profitierfotograf werden will ist damit bestens bedient. Warum Vollformat? Nun, das bedeutet mit meiner 5D3 22 Megapixel auf einer Fläche von 24 x 36 mm. Bei einer Crop-Kamera befindet sich aber zum Teil fast die gleiche Menge an Pixeln auf der halben Fläche. Das bedeutet das Objektiv muss entsprechend höher auflösen. Da ich meine 7D aber nicht mehr habe kann ich das nicht beurteilen. In dem Fall also lieber erst antesten ob das Tamron diese Auflösung wirklich sauber bedienen kann.