Bielefeld den 16.6.2015

Von APS-C (Canon 7D) auf KB-Format (Canon 5D Mark III) war schon lange geplant. Objektive die bei mir Einzug gehalten haben wurden danach ausgewählt damit mögliche Verluste so gering wie möglich ausfallen. Und dann kam wieder einmal Cashback von 300 Euro auf die 5D3, jetzt oder nie! Dazu erschien die Canon 7D Mark II und der Preisverfall meiner 7D dürfte nur noch größer werden. Gebraucht kam für mich nicht in Frage. Die Preise die verlangt wurden waren einfach nicht realistisch. Dann lieber 300 Euro drauf legen und dazu noch 3 Jahre eine Canon-Garantie wie sie bei Achatzi bei allen Canonprodukten angeboten wird.

Nun ... die Kamera ist sicherlich nicht gerade neu auf dem Markt aber immer noch grundsolide. Deshalb wird das auch kein Test im eigentlichen Sinn sondern nur ein Erfahrungsbericht welche Folgen dieser Wechsel mit sich brachte. Technische Aspekte und Vergleiche gibt es im Netz bis zum Abwinken und wer sich dafür interessiert wird diesbezüglich wohl eh auf dem laufenden sein. Geändert hat sich durch den Wechsel so einiges. Und selbst nach 2 Monaten mache ich hier Zuhause jedesmal eine Welle wenn ich Fotos von Touren oder Shootings sichte.





Das erste was einem bei dem Wechsel auf KB-Format einfällt ist natürlich die High-Iso-Fähigkeit. Das war aber nicht mein Hauptgund unbedingt mit ISO 6400 oder jenseits der 10000 Fotos zu machen. Ich muss aber gestehen das die Ergebnisse hier wirklich sehenwert sind. Über ISO 6400, wie bei dem Bild oben, ist aber noch nicht wirklich nötig gewesen. Mit meiner alten 7D wäre das eine echte Schnapsidee gewesen. Ich gestehe aber das ich diese Vorteile jetzt gerne nutze. Gerade bei Street und nicht tollem Wetter stellt man einfach vorab schon einen höheren ISO-Wert ein oder wechselt gleich auf ISO-Automatik die sich ja von den Werten her einstellen lässt. Da kann man jetzt schon mal Fotos machen auf die ich früher verzichtet habe. Zukünftig brauche ich also keine dunklen Ecken mehr meiden, zumindest nicht aus Gründen der ISO-Fähigkeit ;-) Das Foto unten hat ISO 6000.








Was für mich beim Wechsel aber wirklich einen Aha-Effekt ausgelöst hat ist die Bildqualität bei mittleren ISO-Werten und natürlich bei sehr niedrigen. Habe seit dem Wechsel vor 2 Monaten zwei Shootings gehabt. Einmal Schwangerschaftsbilder mit dem Partner zusammen und die Begleitung einer standesamtlichen Hochzeit. Ich kann nur sagen das die Bildeindrücke auf meinem Eizo völlig anders sind wie bei meiner alten 7D. Ob das jetzt der vielgerühmte Bokeh-Effekt ist von dem man überall liest oder nicht sei mal dahin gestellt. Auf jeden Fall ist dieser ... ich sage mal Digital-Effekt ... nicht mehr vorhanden. Es entsteht eher der Eindruck das man sich am Monitor Prints anschaut. Hier noch einen Vergleich zur alten Kamera in APS-C anzustellen ist einfach überflüssig. Die natürliche Schärfe die alle Details zeigt ist schon sehr auffällig. Und dabei spielt es keine Rolle ob die Bilder nun mit ISO 100, 800 oder 1200 gemacht werden. In allen Fällen um Welten besser wie es mein 7D je auf die Reihe bekommen hat, bei ISO 100 wohlgemerkt. Bei allem natürlich richtiger Umgang und Belichtung der Kamera vorausgesetzt. Bei der Trauung im Zimmer zb. Kamera auf ISO 800 gestellt, Blitzt drauf mit Reflektorkärtchen und nur noch auf die richtigen Momente gewartet. Tja ... durch das geringe indirekte Aufhellen sehen die Fotos wirklich gut aus. Alles schön scharf ohne Rauschen und kein typischen Blitzeffekt.



 Und bei der Gelegenheit sei mal erwähnt das diese Ergebnisse selbst ohne größere Bildbearbeitung enstanden sind. Selektives Schärfen, Hochpass-Filter, Tools zum Entrauschen oder sonst etwas sind hier noch nicht zum Einsatz gekommen. Was bei meiner alten 7D schon öfters nötig war ist bis jetzt noch nicht eingesetzt worden. Das bedeutet noch sehr viele Reserven wenn es tatsächlich mal eng wird!

Und es ist ja nicht so das ich erst seit gestern fotografiere. Digital fing es mit der Minolta Dimage 7 an, muss so 2000 gewesen sein. Danach Canon 300D, 20D, 40D und eben die letzte 7D. Davor natürlich Ewigkeiten in Analog. Der Qualitätssprung jetzt ist aber schon bemerkenswert! Aber nicht wirklich ein Wunder wenn man bedenkt das der Sensor jetzt doppeltte Größe hat bei fast gleicher Pixelzahl. Von daher habe ich auch ohne zu zögern die Canon 7D2 nicht in betracht gezogen.



Nachteile? Ja, die gibt es für mich auch, aber nichts was man umgehen kann. Zum einen ist da die Tiefenschärfe die mit dem KB-Format knapp eine Blende abgenommen hat. Beim Schwangerschafts-Shooting ging es noch gerade gut aber das werde ich noch verinnerlichen. Stehen die Personen versetzt oder hintereinander wird es unter Blende 8 schon arg dünn. Bei solchen Gelegenheiten möchten die Leute einfach nur gute Fotos haben und keine Experimente von wegen Freistellen bis der Arzt kommt und mit lichtstarken Objektiven wie 2.8 oder 1.8 prahlen. Das kann man machen wenn es mit einem gebuchten Modell ins Studio geht aber sonst sollte man das mit den Augen der Auftraggeber sehen. Die werden sich bedanken wenn nicht einmal mehr die Nase scharf drauf ist. Schon garnicht bei einer Trauung wo man in späteren Jahren auch zu den Bildern etwas erzählen möchte. Ganz nach dem Motto "Da war der Onkel aber noch nicht so fett". Schöner ist es sicherlich wenn Gäste immer noch zu erkennen sind und das Freistellen nicht übertrieben wird. Bei der Trauung war es zb. fast nur Blende 7.1.

Und das SW-Bild unten wurde mit Blende 5.6 aufgenommen. Da kann sich wohl jeder ausmalen wie das mit 2.8 oder kleiner aussehen würde.



Der nächste Nachteil ist die Sache keinen Cropfaktor mehr zu haben. Mit der 7D war ich oft auch nur mit dem 24-105 4L unterwegs, mehr brauchte ich eigentlich nicht. Die Zeiten sind nun vorbei. 105 mm sind 105 mm und nicht wie an der Crop-Kamera 168 mm vom Ausschnitt her gesehen. Das macht sich bei Street schon bemerkbar. Dafür überzeugt die Qualität der Linse an KB-Format auf ganzer Linie, eine fast halb so hohe Pixeldichte macht sich halt auch dort bemerkbar.

Das war es dann aber schon was ich als etwas nachteilig ansehe. Dafür macht Weitwinkel richtig Spass und mein Canon 16-35 4L IS macht an der 5D3 einen richtig guten Eindruck.



 

Nach 2 Monaten mit der 5D3 kann ich nur sagen das ich nicht einen Cent bereue den ich beim Wechsel ausgegeben habe. Ganz im Gegenteil, die Bilder überzeugen auf der ganzen Linie! Alle Objektive von mir liefern einwandfreie und scharfe Fotos ohne das ich lange dran rumschrauben muss. Das weniger an Tiefenschärfe erspart mir höhere Kosten in teure und lichtstarke Objektive da ich eben nicht nur Augen in einem sonst unscharfen Bild haben möchte. Selbst mein günstiges Tamron-Tele produziert an KB gute Bilder. Trotzdem wird noch eine Festbrennweite für Closeups früher oder später angeschafft. Habe zwar noch nichts bestimmtes im Auge aber da wird noch was kommen um den Leuten im Studio nicht zu sehr auf die Pelle zu rücken. Mein 50 / 1.4 behalte ich auf jeden Fall für Ganzkörperfotos

Und dann wären da noch einige kleine und feine Details die sich im Menü der Kamera verbergen. Geradezu ein vorbildliches Blitzmenü das die Arbeit beim entfesselt Blitzen enorm erleichtert. Meine Blitz-Sender / Empfänger von Yongnuo funktionieren einwandfrei und alles ist jetzt extrem schnell einstellbar. Das Graben in den Menüs entfällt und macht dadurch mehr Spass.

Auch wenn ich es bei der Anschaffung nicht darauf angelegt habe ermöglicht die ISO-Fähigkeit ein völlig entspanntes Fotografieren. Die sonstigen Hintergedanken von Crop, die doch oft präsent waren, sind wie weggewischt. Kein Grübeln mehr ob das bei ISO 800 oder 1600 noch was wird und Schärfe beim Glattbügeln verloren geht. Das Verhalten der Kamera bei mittleren ISO-Werten ist echt klasse und uneingeschränkt nutzbar. Und dabei ist es völlig egal ob es um Natur, Architektur oder Portrait geht.

Und dann wäre da noch der Vorteil zum Thema verwackeln. Ich habe das beim früheren Wechsel (300D-20D-40D-50D) immer deutlich gespürt. Gleiche Sensorgröße und wieder mehr Pixel drauf und wieder bedeutet es etwas schnellere Belichtungszeit. Nicht von ungefähr haben heutzutage selbst die Kitscherben schon einen IS drin. Da war der Wechsel auf das KB-Format mal eine ganz andere und vor allem freudige Erfahrung. Es darf nun auch eine längere Belichtungszeit werden ohne Unschärfe durch verwackeln zu ernten.

Was bleibt ist ein sehr positiver Gesamteindruck! Aber ich glaube das muss man einfach selbst erfahren um es nachfühlen zu können. Das einzige was mich ärgert ist das ich diesen Schritt nicht schon viel früher getan habe, auch wenn es teurer geworden wäre!

LG ... Peter

P.S.: Alle Beispielbilder wurden nach dem Verkleinern nicht nachgeschärft und sind auch im Original über jeden Zweifel erhaben.